Rosel von Melaten

| Carol Rosa | Jugendbuch

Nikolaus Heidelbach Rosel von Melaten sorgt für Kontroverse: Der Altmeister hat eine abgründige Schauergeschichte geschrieben, in der Kinder reihum ermordet werden. Eine kritische Auslegeordnung von der Fachredaktorin Carol Rosa.

In weissem Kleid und roter Krawatte schwebt ein Mädchen über dem Kölner Friedhof Melaten. Ein Ort, dessen Name auf das französische Wort «malade» zurückgeht. Ein fürchterlicher Ort, an dem im 17. Jahrhundert Frauen als Hexen verbrannt wurden.

Den Bogen überspannt?
Immer, wenn in der Stadt grausame Dinge passieren, und dabei Kinder ums Leben kommen, taucht dieses kleine Mädchen auf, schwebt über dem Unglücksort und schreit markerschütternd. Die ganze Stadt rätselt: Ist es ein Geist oder eine Halluzination? Nur der siebenjährige Georg, der gegenüber dem Friedhof wohnt, ist sich ganz sicher, dass es das Mädchen wirklich gibt.

Eines Abends hatte er das Mädchen, das über dem Eingangstor von Melaten schwebte, entdeckt, und gesehen, wie es Richtung Stadt davoneilte. Georg will das Geheimnis lüften und erlebt dabei Gruseliges.


Nikolaus Heidelbach schreibt in einem schlichten Märchenton, in kurzen knappen Sätzen, setzt jedes Wort präzise, ohne unnötige Kringel und dennoch tiefgründig. Exakt so, wie er auch illustriert: detailgenau, mit einer Fülle von Anspielungen.

„Rosel von Melaten“ ist eine Herausforderung – und manchmal eine Überforderung. Je nach Lesart. Und wie schon frühere Bücher von Heidelbach löst es eine Debatte aus, was und wie viel Kindern zugemutet werden darf. Heidelbach hat in seinen Kinderbüchern noch nie einen Bogen um Tabuthemen gemacht. Und dieses Mal geht es ihm um Kinder, die von ihren Eltern misshandelt und ermordet werden. Absolut schauerlich.

Was darf ein Kinderbuch?
Selbst Beltz & Gelberg, seit 1982 Heidelbachs Hausverlag, wollte dieses Mal sein Werk nicht verlegen. Über die Gründe schweigt sich der Verlag aus. Nach drei weiteren Absagen von Kinderbuchverlagen konnte Heidelbach nun seine Geschichte im Erwachsenenprogramm bei Atlantis von Hoffmann und Campe unterbringen.

Obwohl es aufgemacht ist wie ein Bilderbuch, ist „Rosel von Melaten“ kein Buch für kleine Kinder. Das Rückcover deutet eine Gespenstergeschichte an und lässt zugleich eine unschuldige Liebesgeschichte zweier Kinder vermuten. Doch schon nach den ersten Seiten kippt es plötzlich in einen Märchenkrimi und kehrt schliesslich zurück ins Schauerromangenre.

Sammlerstücke
Dieses Buch ist ein Buch für Jugendliche, doch vor allem auch eines für Erwachsene. Heidelbachs künstlerisch hochstehende Werke sind längst Sammlerobjekte, etwa seine teils morbid anmutenden Illustrationen der Andersen- und Grimm-Märchen.


Teilen Merken
  • Titel
    Rosel von Melaten
  • Autor:in
    Nikolaus Heidelbach
  • Genre
    Fiction
  • Verlag
    Copyright Hoffmann und Campe Verlag
  • Erscheinungsdatum
    2015
  • Seiten
    66
  • Illustrator:in
    Nikolaus Heidelbach
  • Bewertung

Verein Leporello.ch

Waisenhausplatz 30
Postfach 2653
3001 Bern

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Kontakt Bern: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Kontakt Luzern: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Newsletter

Damit du weisst, was in deiner Stadt läuft.