Endgültig Abschied nehmen ist schwer, für die Angehörigen ebenso wie für die Sterbenden selbst. Roddy Doyles enfühlsamer Text erzählt vom Sterben und feiert das Leben. Der Jugendbuch-Tipp von Sarah Wildeisen.
Marys Grossmutter Emer liegt im Sterben. Jeden Tag fahren das Mädchen und ihre Mutter Scarlett ins Krankenhaus und besuchen die noch immer fröhliche, aber täglich schwächer werdende Frau.
Plötzlich taucht vor Marys Zuhause eine altmodisch gekleidete Frau auf, die sich Tansey nennt. Sie entpuppt sich als niemand anderes als der Geist von Emers Mutter – Marys Urgrossmutter – die starb als diese drei Jahre alt war.
Tansey, die ihrer Tochter nicht beim Heranwachsen beistehen konnte, ist gekommen, um Emer beim Abschied aus dem Leben zu helfen. Dazu jedoch braucht die Geisteroma die Hilfe von Mary und Scarlett. Gemeinsam machen sich die vier Frauen auf die Reise zu dem Bauernhof auf dem Emer aufgewachsen ist.
Ein Ausflug in die Vergangenheit, bei dem zwischen den vier Frauen ein intensive Nähe entsteht und der erkennen lässt, wie sie alle auf die eine oder andere Art miteinander verbunden sind.
Roddy Doyles Roman fasziniert durch wunderbare und lebensechte Frauenfiguren. Alle sind sie sich ähnlich und doch so verschieden. Vor allem in den äusserst kecken Dialogen, in denen sich die Mütter und Töchter die Bälle gekonnt zuspielen, treten die aussergewöhnlichen Eigenarten der Figuren deutlich hervor.
Lebensechte Frauenfiguren
Was Mary von ihren Vormüttern und was diese untereinander voneinander geerbt haben, erscheint wie ein komplexes Webmuster und macht anschaulich, dass alles auf die eine oder andere Weise am Leben bleibt.
Hin und wieder wird das weibliche Miteinander von Marys pubertierenden Brüdern kontrastiert. Diese nuscheln, wenn sie nicht gerade von Lachanfällen geschüttelt werden oder schweigen, kaum verständliche Sätze vor sich hin und scheinen von den tiefgreifenden Ereignissen um sich herum nichts mitzubekommen.
Doyle inszeniert und präsentiert letztlich die Frauen als diejenigen, die mit den Schwellen des Lebens umzugehen wissen.
Verein Leporello.ch
Waisenhausplatz 30
Postfach 2653
3001 Bern
Kontakt Bern:
Kontakt Luzern:
Login Event Manager
Achtung: kostenpflichtig!
Newsletter
Damit du weisst, was in deiner Stadt läuft.