Wer freie Sicht haben will, muss hinauf auf den Berg bis zum Gipfel. In „Der Rauhe Berg“ gestaltet Einar Turkowski eine Bergbezwingung als Parabel des bildkünstlerischen Schaffens. Der Bilderbuch-Tipp von der Fachredaktorin Sarah Wildeisen.
Die geheimnisvollen Bilder von Einar Turkowski sind mit Bleistift gezeichnet, Härtegrad HB. 400 Minen und drei Jahre Arbeitszeit brauchte er allein für sein gepriesenes Erstlingswerks „Es war finster und merkwürdig still“.
Ähnlich aufwändig fertigt er auch seine folgenden Werke. In „Der Rauhe Berg“ verwandelt er die Widrigkeiten auf dem Weg zum künstlerischen Schaffen in eine mythische Geschichte mit metaphorischen Bildern. In deren Zentrum steht ein Berg mit einen unheilvollen Namen, der sich in einem Land befindet „in dem die Kerzen von unten nach oben brennen und es aus dem Boden regnet“.
So weit der Text. Das Bild darüber zeigt keine Kerzen und keinen Regen, sondern andere Merkwürdigkeiten: Sich im Winde wiegende Buschformationen zwischen denen Blinker, wie Angler sie zum Fischen verwenden, schweben. Die Schwerkraft scheint unterdess ausser Kraft gesetzt, hier zählen Sehkraft und Imagination. Denn wer allen Warnungen zum Trotz den sagenumwogenen Berg besteigt, findet an seinem Fuß ein Schild auf dem steht:
„Sieh wenn du kannst".
Die Hauptfigur, ein Mann in weitem Anorak, macht sich auf und entdeckt: verschiedenfarbige Kiesel, verzweigte Formationen von Gehölz sowie die Wirkung von Licht und Schatten in Form von Lampions, die als runde Formen mit ihrer Helligkeit die Schwärze des Waldes kontrastieren. Weiter oben trifft er auf eigenartige Geschöpfe, die echt und gefährlich wirken und doch nicht lebendig sind:
„Es muss ein geschultes Auge gewesen sein, das diese Geschöpfe erschaffen hatte".
Als er sich weiter nach oben arbeitet, verwandelt sich Figürliches in stilisierte, schließlich abstrakte Formen. Gerade als er sich zwischen Quadern, im Bild als riesenhafte Schubladen gezeigt, zu verirren scheint, taucht das Fünkchen Inspiration in Form eines Käfers auf und führt ihn über eine Brücke. „Siehst Du?“ fragt dort ein Schild und während die Luft dünner wird, wird die Sicht klarer, bis er schließlich auf dem Gipfel steht: „Und sein Blick wurde frei!“
Ein wunderbares Buch für Grosse und Kleine, die Verrätseltes lieben.
Unsere inhaltliche Partnerin, die STUBE - Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur, hat dieses Bilderbuch zur Kröte des Monats September 2012 gekürt.
Für die Besprechung von Peter Rinnerthaler einfach <hier> klicken.
Einar Turkowski wird übrigens bei der STUBE-Tagung in Würzburg (vom 7. bis 9. September) zu Gast sein!
Verein Leporello.ch
Waisenhausplatz 30
Postfach 2653
3001 Bern
Kontakt Bern:
Kontakt Luzern:
Login Event Manager
Achtung: kostenpflichtig!
Newsletter
Damit du weisst, was in deiner Stadt läuft.